Zum Frühstück gibt es Adrenalin

Der Wetterbericht verspricht für die nächsten fünf Tage Sonnenschein und keinen Regen. Schnell sind die Packtaschen mit Schlafsack, Zelt und Kochgeschirr gefüllt und wir starten eine kleine IMG_9482Rundreise durch Holland und Deutschland. Es wird unsere Tour de Rur durch Holland und dem Niederrhein. War ich bisher alleine mit dem Fahrrad unterwegs, so ist jetzt eine grundlegende Änderung eingetreten: meine Frau begleitet mich mit dem Fahrrad. Stilecht auf einem klassischen Drei-Gang Holland Rad. Ihre zwei Packtaschen sind mit frischem Obst und Fruchtsäften randvoll gepackt. Der Rest unserer Ausrüstung befindet sich in meinen Packtaschen.

Wir starten in Hamich bei Aachen und fahren über einsame Landwirtschaftswege in Richtung Jülich. Unterwegs entdecken wir einen kleinen Fahrrad Laden und kaufen noch schnell eine Fahrrad Sonnenbrille für meine Frau. Dann ist unsere Ausrüstung komplett. Wenig später erreichen wir die Rur (diesmal ohne den Buchstaben “h” in der Mitte). Die Radwege entlang der Rur sind sehr abwechslungsreich. Es gibt sehr sonnige Abschnitte, aber auch interessante Wechsel von Licht und Schatten. So kann man sich ein wenig der ständigen Sonneneinstrahlung entziehen.

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Die Zitadelle von Jülich ist unser erster Anlaufpunkt. Im öffentlich frei zugängigen Park gibt es eine Skulpturenausstellung von REN RONG zu bewundern. “Dialog der Weltkulturen” besteht aus unterschiedlichen Symbolen und Figuren aus Eisen und Stahl. Die mächtigen und gut erhaltenden Wallanlagen verstärken den Eindruck von Schutz und Sicherheit für die Weltgemeinschaft.

Es geht weiter entlang der Rur und wir treffen auf einen riesig großen Baum. Der Baum ist sicherlich mehr als 45 Meter hoch. Selbst mit zwei Personen gelingt es uns nicht den Baum vollständig zu umfassen. Nach einer kleinen Pause fahren wir weiter bis zu Adolfosee. Wir bauen unser Zelt auf und genießen den Blick über den See. Es ist schön warm und wir nutzen das besondere Licht des Sonnenuntergangs für eine intensive Meditation. Gegen Abend kommen noch zwei Schwäne heran geschwommen und begutachten die neuen Bewohner.IMG_4886

Am nächsten Morgen weckt uns die Sonne und der See lädt uns zum Baden ein. Da wir alleine am See gezeltet haben, springe ich nackt, aber voller Energie in den See und schwimme ca. 10 Meter hinaus, bis meine Frau bemerkt, das ich beim Schwimmen keinen Ehering trage. Der Ring hatte sich im Wasser von meinem Finger gelöst und war im See verschwunden. An meiner Schwimmposition war der See dicht mit grünen Algen bedeckt und mehr als zwei Meter tief.

Ich beginne im Kreis zu schwimmen und versuche den Ring zu finden. Aber keine Chance! Der See will den ring nicht wieder hergeben. Ich steige aus dem Wasser, trockne mich ab und denke über eine Lösung nach. Nach 18 Monaten auf meiner Rundreise habe ich mir einen Grundsatz angewöhnt: Es gibt keine wirklichen Probleme. Es gibt nur schwere und leichte Aufgaben. Dies war offenbar eine nicht ganz alltägliche Aufgabe. Ich IMG_4890begann mit dem Handy nach einem Sport- oder Tauchgeschäft zu suchen und fand eine Decathlon Filiale in Hückelhoven. Die 10 Kilometer mit dem Fahrrad zur Filiale vergingen wie im Flug. Ich kaufte eine Taucherbrille und eine Schwimmhose und war nach 90 Minuten wieder zurück am Zeltplatz. Jetzt galt es nur die richtige Stelle wiederzufinden. Anfangs schnorchelte ich nur im Kreis und dann begann ich immer tiefer zu tauchen. Im wieder und wieder. Nur nicht zu früh aufgeben, dachte ich mir und holte noch einmal tief Luft. Tauchte auf den Grund des Sees und dann sah ich den Ring zwischen den Algenpflanzen liegen. Ich hatte kaum noch Luft in den Lungen. Ein Auftauchen hätte ggf. den Boden aufgewühlt und den Ring mit Sand bedeckt. Zudem hätte ich die Position nicht mehr gefunden. Ich streckte meine Hand aus und greife beherzt durch die Algen nach meinem Ring. Geschafft!

Nach diesem Adrenalin Schub packen wir unser Zelt zusammen und fahren weiter in Richtung niederländische Grenze. In Europa ist der Grenzübergang einfach und ohne Prüfung. Wir erreichen die Altstadt von RoermIMG_4952ond und genießen auf dem Marktplatz die sonnigen Plätze unter den alten Bäumen. Die Niederländer sind sehr entspannt und freundlich. Viele Touristen sitzen in den Cafes, besuchen die Kathedrale oder bummeln durch die Stadt. Nach einer erfrischenden Pause fahren wir zur Maas und setzen unser Fahrt am Fluss fort. Wir machen unterwegs einen Picknick an einer historischen Windmühle. Kurz vor Venlo wechseln wir die Richtung erneut und fahren wieder über die Grenze nach Deutschland.

Unsere zweite Nacht verbringen wir am De Witt See. Wir suchen während der Dämmerung einen geschützten Platz direkt am Wasser und genießen das Wild Camping. Dies Mal verzichte ich auf ein Bad im See. Dafür gibt es viele Tiere zu bestaunen: Schwäne, Biber, Fuchs und Mücken.

Am nächsten Morgen geht es über Willich nach Düsseldorf. Wir haben uns für einen Besuch im buddhistischen ZentrumIMG_9527 entschieden. Wir meditieren gemeinsam mit den Freunden aus Düsseldorf und testen natürlich das Alt Bier. Architektur, Kneipenkultur und Shopping sind in Düsseldorf überall zu finden. Schloss Benrath empfängt uns am nächsten Morgen. Über den Schlosspark geht es zur Fähre nach Zons. Die mittelalterliche Festung ist beeindruckend. Dann geht es nach Köln.

Wir erreichen über eine Fahrt entlang des Rheins das buddhistische Zentrum in Köln. Wir deponieren unser Gepäck vor der Tür des Zentrums in der ersten Etage. Dann machen wir unsere erste Radtour durch Köln. Gegen 19:00 Uhr kommen wir zurück und meditieren gemeinsam. In dieser Nacht sind wir die einzigen Personen im Zentrum. Man erklärt uns das Sicherheitssystem der Türen für das Zentrum. Leider wird das Gebäude auch noch von anderen Mietern genutzt (was wir nicht wussten). So beschließen wir um 22:00 Uhr noch einen kleinen Spaziergang duIMG_9563rch Köln zu starten.Wir schließen die Wohnungstür in der 1. Etage und verlassen das Gebäude durch den Hauptausgang im Erdgeschoss. Diese Tür sollte eigentlich die ganze Nacht geöffnet sein. Als wir nach einer Stunde wieder zurückkommen, ist die Tür jedoch geschlossen. Einer der Mieter hat die Tür geschlossen und wir haben keinen Schlüssel! Mein Handy hat noch 8 Prozent Strom.Ich setze eine Nachricht in Facebook ab und wir haben Glück: Nach 20 Minuten kommt ein Mitglied aus dem Köln Zentrum und schließt uns um 23:20 die Tür wieder auf. Wir entscheiden uns noch eine weitere Nacht im Zentrum zu blieben und nehmen am nächsten Tag an einem buddhistischen Vortrag teil.

Am nächsten Tag begeben wir uns auf den alten Pilgerweg von Köln nach Aachen. Das Symbol der Pilgermuschel begleitet uns bis Langerwehe.

2 Kommentare zu “Zum Frühstück gibt es Adrenalin

  1. ClaudiaHA

    Was für eine Aufregung mit dem Ring! Toll, dass du ihn wiedergefunden hast! Ein wunderbares Omen, wenn man daran glaubt 😉 Alles Gute euch beiden. Ich hoffe, wir treffen uns mal in Essen! Liebe Grüße, Claudia

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